Zur Rede von Sikorski
03.12.2011 13:25 | politik | -georg-
Vergangenen Montag hielt der polnische Außenminister Radoslaw Sikorski eine beachtenswerte, sehr beachtenswerte Rede in Berlin, wenngleich außer in Polen selber die Resonanz europaweit sehr gering ausfiel. Das Thema war natürlich die Eurokrise, die Rolle Deutschlands, die Rolle Polens. Polens Vorzeigepolemiker Jaroslaw Kacynski will Sikorski für diese Rede nun sogar vor den polnischen Staatsgerichtshof bringen. Vermutlich wegen Sätzen wie diesem: "Ich fürchte die deutsche Macht weniger als die deutsche Untätigkeit. Sie sind Europas unverzichtbare Nation geworden. Sie dürfen bei der Führung nicht versagen."

Und tatsächlich: Derart wegweisende, mutige und selbstbewusste Aussagen über den deutschen Nachbarn hat selten ein polnischer Politiker gebracht. Dass er dabei keinesfalls irgendwem Honig ums Maul schmieren würde, scheint seinen Kritikern daheim darüber hinaus völlig zu entgehen: "Was erwartet Polen von Deutschland? Wir wollen erstens, dass Deutschland eingesteht, dass es am meisten von den aktuellen Regelungen profitiert und deshalb am stärksten verpflichtet ist, deren Fortbestand zu garantieren."

Was Sikorski fordert ist insgesamt nichts anderes als ein weitaus stärkeres politische Zusammenrücken Europas: Mehr Integration und weniger nationalstaatliche Souveränität. Und dafür unabdingbar scheint zumindest momentan die politische Gestaltungsfähigkeit, bzw. noch wichtiger, der politische Wille Deutschlands zu sein.

Zeit.de hat die Rede nun vollständig veröffentlicht, zu finden hier.

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cklem, Sonntag, 11. Dezember 2011, 19:43
Siehe auch hier.
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