Überlegungen zur Militärschlagsoption gegen den Iran
10.11.2011 10:12 | politik | -georg-
Die Frage außer Acht lassend, ob und wie und falls ja, wieweit fortgeschritten der Iran an der Herstellung eigener Atombomben (inkl. eigenständiger Urananreicherung und Entwicklung von Trägersystemen) arbeitet - es muss offensichtlich davon ausgegangen werden, dass sowohl Wille vorghanden ist, als auch Fortschritte seit 2002 erzielt werden konnten - möchte ich eine mittlerweile drei Jahr alte Argumentation zum Thema Militärschlagsoption noch einmal ausgraben.

Erstens stehen der gezielten Ausschaltung der Atomanlagen mittels Luft- und Raketenangriffen einerseits die unvollständigen Aufklärungsdaten und andererseits der Umstand, dass ein großer Teil der militärischen Einrichtungen unterirdisch angelegt ist, entgegen. (Vgl. Reissner 2008) Zweitens ist über die tatsächliche Stärke des iranischen Heeres wenig bekannt, sollte eine Landinvasion notwendig werden, wäre aber sehr wahrscheinlich anders als im Irak mit erheblicher Gegenwehr zu rechnen. Die dafür nicht mehr vorhandenen Kapazitäten der USA kämen erschwerend hinzu. (Vgl. Luttwak 2006) Drittens könnte der innenpolitische Schaden, die humanitären Folgen schon außer Acht lassend, immens sein. Die Instrumentalisierung des westlichen und israelischen Feindbildes stellt schon jetzt eine tragende Säule der Herrschaftslegitimität des Mullah-Regimes da und würde im Falle eines amerikanisch-israelischen Militärschlags in noch viel stärkerem Ausmaß als Mittel gegen die bislang im Vergleich zu anderen Staaten der Region ausgeprägten Opposition dienen. (Vgl. Nirumand 2006) Viertens sei schließlich auf das Hauptargument verwiesen, wonach die Folgen für den gesamten Mittleren Osten unabsehbar wären. Es wäre damit zu rechnen, dass dabei die konfessionellen und ethnischen Interdependenzen Solidaritätsbewegungen und ausufernden schiitischen Terrorismus zu Folge hätten. Der mögliche Regimezusammenbruch könnte im Extremfall für einen neuen fragilen oder sogar failed Staat zwischen Afghanistan, Pakistan und Irak sorgen und das schwache Ordnungsgefüge im Mittleren Osten weiter schädigen (Vgl. Reissner 2008).

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